Hitzeschockproteine und Amyotrophe Lateralsklerose: Sozialgericht Detmold verpflichtet Gesetzliche Krankenversicherung (Repamun III)

Sachverhalt:
Bei dem gesetzlich versicherten Patienten wurde eine (schnell verlaufende) Amyotrophe Lateralsklerose diagnostiziert (ALS). Zur Behandlung wurde der Arzneistoff Riluzol (Handelsname: Rilutek) verordnet; eine  spürbare Besserung des Gesundheitszustandes trat durch die Einnahme nicht auf.

Auf Anraten seiner Neurologin unterzog sich der Patient daher im Rahmen eines individuellen Heilversuches einer (Injektions-)Therapie mit einer Lösung bestimmter Hitzeschockproteine (Repamun plus).

Deutliche Besserung
Unter der Injektionstherapie kam es zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome: Der Patient konnte deutlich besser atmen und benötigte sein Beatmungsgerät nur noch zum Schlafen. Er konnte sein Bett häufiger verlassen, sich öfter im Rollstuhl bewegen und seine krankengymnastischen Übungen besser und länger durchführen.

Insgesamt verbesserte sich – ärztlich dokumentiert – die allgemeine Kraft, des Geh- und Stehvermögen sowie die Stimmungslage.

vorgerichtliche Ablehnung der Kostenerstattung
Die beantragte Kostenerstattung wurde mit MDK-Hinweis auf den hochexperimentellen Charakter der Therapie abgelehnt: Es handele sich um ein lediglich für die äußere Anwendung zugelassenes Produkt, das über keinerlei Evidenz verfüge; eine Nutzen-Risiko-Abwägung fehle völlig. Im Übrigen handele es sich bei der ALS, so der MDK, nicht um eine unmittelbar lebensbedrohliche Erkrankung (!)

Sozialgericht Detmold verpflichtet Techniker Krankenkasse
Da der Mandant die Repamun-Therapie nicht weiter aus eigenen Mitteln finanzieren konnte, beantragte die Kanzlei den Erlass einer einstweiligen Anordnung. Das zuständige Sozialgericht Detmold verpflichtete die Techniker Krankenkasse mit Beschluss vom 23. Dezember 2014 antragsgemäß, dem Mandanten wöchentlich eine 2ml-Flasche des Produktes als Sachleistung zu gewähren.

Folgenabwägung zugunsten des Patienten
Begründet wurde die Entscheidung im Wesentlichen mit Gesichtspunkten der Folgenabwägung: Der Ausgang des Hauptsacheverfahren sei offen und eine vollständige Klärung der (medizinischen) Sachlage im Eilverfahren nicht möglich.