„Burn-out“: Zahlt meine Berufsunfähigkeitsversicherung?

RA- Dr. Breitkreutz: Berufsunfähigkeitsversicherung bei Depressionen, "Burn-out" und anderen psychischen Erkrankungen

„Burn-out“ – Versicherungsfall in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Bedeutung psychischer Erkrankungen für Frühverrentungen nimmt weiter zu. Dies gilt vor allem für stressinduzierte Krankheiten.

Gleichzeitig erfährt der einprägsam als „Leiden ohne Diagnose“ beschriebene Begriff des „Burn-out“ eine schon fast inflationäre Bedeutung.

Hiermit einher geht die Frage, ob und ggf. unter welchen Voraussetzungen im Fall eines „Burn-out“ Anspruch auf Leistungen aus einer unterhaltenen Berufsunfähigkeits(zusatz-)Versicherung besteht.

Die rechtlichen Vorgaben: „Krankheit, Körperverletzung oder Körperverfall“
Nach § 172 VVG ist berufsunfähig, „wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf (…) infolge Krankheit, Körperverletzung oder (…) Körperverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann“.

Der Versicherungsfall setzt somit voraus:

  • eine Krankheit

und

  • eine auf ihr beruhende (die bedingungsgemäße Höhe erreichende) dauerhafte Beeinträchtigung der Ausübung eines bestimmten Berufes.

„Burn-out“ als Diagnose mit Krankheitswert?
Entscheidend ist somit, ob der „Burn-out“ eine Krankheit i. S. v.  § 172 VVG darstellt. In der Berufsunfähigkeitsversicherung wird der Krankheitsbegriff anders definiert als in der Krankenversicherung: Entscheidend ist, ob eine so starke und so nachhaltige Abweichung vom normalen Gesundheitszustand vorliegt, die de berufliche Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen kann.

Dies ist grundsätzlich auch bei psychischen Reaktionen möglich

Allerdings ist problematisch, dass der Begriff „Burn-out“ sehr unterschiedlich verwendet wird. Außerhalb Deutschlands wird er kaum in Bezug genommen und in den gängigen Klassifikationssystemen taucht er im Grunde nicht auf. Allein in der „ICD-10“, der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen ist er unter dem Diagnoseschlüssel Z73.0 zu finden: „Ausgebranntheit, Burn-out, Zustand der totalen Erschöpfung“. Der übergeordnete Abschnitt lautet: „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ (Z73).

„Burn-out“ im eigentlichen („technischen“) Sinne ist somit – unabhängig von allen Definitionsschwierigkeiten – keine Diagnose mit Krankheitswert sondern bestenfalls eine Zusatzdiagnose. Es handelt sich um ein Syndrom, ein Bündel von Krankheitsbeschwerden, und nicht um eine eigenständige Krankheit.

Ergebnis: „Es kommt darauf an“
Ob bei einem „Burn-out“ ein Leistungsfall in der BU-Versicherung vorliegt, hängt somit – falls keine anderen Krankheiten diagnostiziert wurden – allein von der konkreten Verwendung der Diagnose ab:

  • Teilweise beschreibt sie eine alltägliche Erschöpfung bei Überbelastung, die oft „nur“ Erholung und keine ärztliche Behandlung erfordert. In einer solchen Konstellation fehlt es an einem Krankheitswert (und in der Regel auch an einer bedingungsgemäßen Minderung der Erwerbsfähigkeit), so dass selten ein Leistungsfall vorliegen dürfte.
  • Immer öfter bedienen sich Fachärzte der „Burn-out“-Diagnose aber auch in Fällen des schweren, nicht selten lebensbedrohlichen Krankheitsbildes der Depression, vor allem bei sog. Erschöpfungsdepressionen. Hier liegt zwanglos ein Krankheitsfall vor. Zumindest bei mittleren und schweren depressiven Episoden wird in der Regel auch eine aufgehobene Fähigkeit zur Berufsausübung vorliegen, so dass insoweit von einem Versicherungsfall ausgegangen werden kann.

(Stand: April 2015)

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